
Das kleine Entwicklerstudio Giant Sparrow schickt mit The Unfinished Swan ein kleines, kreatives Spiel in die Weiten des Playstation Networks. Wir sagen euch, ob Sony mit der Verpflichtung des Studios einen ähnlichen Glücksgriff landete wie einst mit thatgamecompanys The Journey, und ob The Unfinished Swan seine knapp 13€ wert ist.
Es ist tiefste Nacht als der Waisenjunge Monroe erwacht und erschrocken feststellt, dass das Bild des unfertigen Schwans an der Wand seines Zimmers leer ist. Das Schwanen-Bild ist Monroes einziges Erinnerungsstück an seine Mutter, eine große Künstlerin, die zu Lebzeiten hunderte von Bildern und Gemälden malte, ohne je eines davon zu vollenden. Nach dem Tod seiner Mutter musste sich Monroe zwischen den Kunstwerken entscheiden, denn das Waisenhaus erlaubte nur eines der Bilder. Er entschied sich für den unfertigen Schwan, schon immer das Lieblingsbild seiner Mutter. In besagter Nacht verschwand der Schwan aus seinem Rahmen, nur seine Fußspuren blieben. Diese führen Monroe zu einer seltsamen Tür, eine Tür, die der Waisenjunge noch nie gesehen hat. Neugierig öffnet der Junge die Tür und betritt damit eine fantastische Welt voller Wunder und Geheimnisse.
An dieser Stelle beginnt für den Spieler das Erlebnis The Unfinished Swan. Aus der Ego-Perspektive manövriert ihr den jungen Monroe von nun an durch eine zunächst vollkommen weiße Welt. Im Laufe eurer Reise taucht ihr immer mehr in das geheimnisvolle Königreich und seine Geschichte ein. Einziges Hilfsmittel hierbei ist der silberne Pinsel eurer Mutter. Ihr startet in einem vollkommen weißen Raum, scheinbar endlose Leere ohne Form und Kontur, doch bald wird klar, dass da mehr ist, als die Dinge die das Auge erfassen kann. An dieser Stelle kommt wieder euer Pinsel ins Spiel, ein zentrales Hilfsmittel wenn es um die Erkundung der zunächst vollkommen weißen Welt geht.

Im ersten der insgesamt vier Kapitel, verschießt ihr schwarze Farbkleckse, mit denen ihr die Welt in der ihr euch bewegt, sichtbar werden lasst. In den folgenden Kapiteln wird dieses Prinzip mal mehr, mal weniger stark variiert. Da das Spiel mit gerade Mal zwei bis drei Stunden Spielzeit bei Leibe nicht als Epos zu bezeichnen ist, hülle ich an dieser Stelle den Mantel des Schweigens über diese Variationen. All diese Mechanismen funktionieren recht simpel, ohne den Spieler vor besondere Schwierigkeiten zu stellen, bilden aber vielleicht auch gerade deswegen den Grundstein für ein faszinierendes Erlebnis. Gleiches gilt für die Spielwelt, in der ihr euch bewegt. Simpel, schlicht und sporadisch. Dennoch ein Ort voller Geheimnisse und grundverschieden von allem, was man bisher gesehen hat.
An dieser Stelle sollte klar sein, dass mit The Unfinished Swan kein fotorealistisches Meisterwerk auf den Spieler wartet; keine detaillierten Umgebungen, voller Farben und Muster. Es ist wie alles in Entwickler Giant Sparrows Adventure; simpel und schlicht, aber mit großer Wirkung. Auf technischer Seite sticht die Akustik am deutlichsten hervor. Der faszinierend-zauberhafte Klangteppich trägt Monroe und den Spieler wunderbar durch das weiße, unfertige Königreich.

All diese Aspekte bilden schließlich das etwas eigenwillige Spielgefühl und die schwer zu beschreibende Atmosphäre des Spiels. Anders als es zu Beginn vielleicht scheinen mag, ist The Unfinished Swan nämlich kein fröhliches, knuddeliges Kinderspiel, sondern eine skurrile Mischung aus faszinierendem Märchen und düster-deprimierender Fabel. Giant Sparrows Reise in das weiße Königreich vollzieht die Entwicklung unserer Wahrnehmung nach, angefangen bei unseren ersten Schritten, in der hinter jeder Ecke noch ein kleines Wunder auf uns wartet, bis hin zu der Welt, die hektisch an uns vorüberzieht. Nichtsdestotrotz schafft es The Unfinished Swan immer wieder dem Spieler ein breites Lächeln ins Gesicht zu zaubern und die Faszination des Entdeckens in seiner ganzen Blüte einzufangen. Die Momente in denen das Spiel uns ein erstauntes „Wow“ über die Lippen gleiten lässt machen das Spiel zu einem faszinierenden Erlebnis. Dem gegenüber stehen die Erlebnisse, die den Spieler immer wieder an seinen Handlungen Zweifeln lassen und sich düster in den Gedanken des Entdeckers festsetzen.

Mit The Unfinished Swan hat es Giant Sparrow geschafft eine der ungewöhnlichsten Erfahrungen des Jahres zu kreieren. Die faszinierende surreale Welt ermöglicht es dem Spieler den Zauber des Entdeckens ein weiteres Mal in voller Blüte zu erleben. Der schlichte und unkomplizierte Stil, begleitet von einer wunderbaren musikalischen Untermalung und gebettet in einer unheimlichen Fülle an Kreativität und Liebe, machen den Titel zu einem einzigartigen Erlebnis. Für gerade einmal zwei bis drei Stunden Spielzeit und relativ geringem Wiederspielwert sind die knapp 13 Euro nicht gerade wenig. Nichtsdestotrotz eine Summe, der man aufgrund des Erlebten nicht hinterher trauert. Der Kontrast zwischen einer Welt voller Wunder, die einem immer wieder ein Lächeln auf das Gesicht zaubert und vielen düsteren Passagen, die die bisherigen Erlebnisse gelegentlich sogar in Frage stellen, hinterlässt einen bleibenden Eindruck.
Raphael “rapha1405″ Margreiter für topoftheGAMES.com
» Kreatives Spielprinzip
» Tolle musikalische Untermalung
» Weckt kindliche Freude am Entdecken neuer Welten
» Ungewöhnliche, surreale Atmosphäre
» Preis-Umfang-Verhältnis
» Aus technischer Sicht kein Meisterwerk

















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