
Sich beim Ableben multiplizierende Riesen; Krüge, welche beim Zerbrechen gigantische Ranken wachsen lassen und nicht zu vergessen, das andere Auge vom Ein-Augen-Willy. Ich könnte stundenlang eine Liste der kleinen liebevollen Dinge führen, die mir immer wieder im Spielverlauf von Torchlight 2 ein hämisches Grinsen auf das Gesicht zaubern. Klick, Klick, Klick und wieder ein Erfolgserlebnis – das Spiel übt mit seiner Spirale aus Monsterhorden und Unmengen von Loot kombiniert mit einer Prise Humor, eine Faszination aus, welche sich für viele Genreliebhaber bei Blizzards Diablo 3 nie entwickelte. Warum? Ein simpler Vergleich der 5 wichtigsten Unterschiede sollte euch dies anschaulich nahelegen. Ansonsten sind 19 Euro für Torchlight 2 nun wirklich nicht die Welt.

1. Die Itemwirtschaft
Diablo 3 brachte das Echtgeldauktionshaus mit sich. Während ihr auf Shoppingtour geht, kassiert Blizzard nebenbei Prozente. Doch wo ist die Sammelwut? Gold zu erfarmen mag kurzzeitig befriedigen, da die Zahl an Goldmünzen langsam aber stetig wächst, doch ist es das was wir kennen und lieben? Tatsächlich hat der noch heute aktiv gespielte Vorgänger das Loot-Handling salonfähig gemacht. Diablo 3 ist jedoch ein Rückschritt und bietet den Ausgleich durch gekauftes Equipment an. Torchlight 2 macht es – rein subjektiv versteht sich – besser. Du willst bessere Ausrüstungsgegenstände? Kämpfe darum. Je mehr virtuelles Monsterblut man inhuman auf Wände und Flure der verschiedensten Dungeons transferiert, um so schwerer wird der Rucksack. Klingt brachial, greift jedoch nach kürzester Zeit und fesselt wie seinerzeit Diablo 2. Bis auf Extremfälle fällt stetes Besuchen eines Händlers obendrein weg, denn jeder Recke hat einen virtuellen Begleiter in Form eines exotischen Tieres an seiner Seite, welcher gerne das Gerümpel zur klimpernden Verwertung bringt und sogar auf Wunsch neue Heiltränke kauft.

2. Der Onlinezwang
Wo man mit Blizzards dritter Monsterhatz auf dem Trockenen sitzen blieb, sobald das Internet mal wieder streikt, liefert Runic Games hier, neben mittlerweile gar nicht mehr so selbstverständlichem Offlinebetrieb, einen lokalen Mehrspielermodus – quasi als glänzende Erinnerung an vergangene Zeiten, in denen eher über die fehlende Pizza, als über einen schlechten Ping beschwert wurde. Von dem Zwang permanent mit dem Internet verbunden zu sein fehlt jede Spur. Dass es die Spielindustrie zum Umdenken bringen könnte ist leider zu bezweifeln, doch die zu Beginn stark überforderten Server der Entwickler beweisen, dass auch ohne Onlinezwang genügend legal erworbene Kopien die Sucht nach neuem Loot befriedigen.

3. Der Anspruch
Schwebende Heilkugeln, abgehärtete Non-Player-Begleiter, wie die Fliegen fallende Akt-Bosse. Eine Menge an Diablo 3 schreit förmlich nach einem Stirnrunzeln und wenn es nur das unregelmäßige Ableben des eigenen Helden ist, weil der Schwierigkeit wiedermal nicht wusste wie er auf unser Handeln zu reagieren hat. Natürlich ist das Spiel anspruchsvoll; jedoch nicht auf eine Art wie man es gerne hat. Es ist keine Herausforderung, sondern russisches Roulette. Hier einen Charakter im Hardcore-Modus, welcher Fehler mit permanentem Tod bestraft, zu spielen ist beinahe der nächste Schritt zur Zwangsjacke (auch wenn hier Lags eine ebenso nicht zu unterschätzende Bedrohung darstellen – siehe Punkt 2). Torchlight 2 hingegen wird kontinuierlich herausfordernder. Wenn man von dem gewählten Schwierigkeitsgrad absieht, treten regelmäßig Zwischenbosse ins Rampenlicht und vermöbeln uns liebevoll das mittelalterliche Anlitz. Darauf mit richtiger Skillung zu reagieren ist die beste Methode, sorgenlos dem Endgame entgegenzutreten. In Torchlight 2 gibt es übrigens keinen fliegenden Wechsel zwischen festgelegten Skillungen – nur richtige Entscheidungen formen Helden, die das Land braucht.

4. Die kleinen aber feinen Geschichten
Auch wenn fallende Engel und haushohe Bossgegner, die nichts auf dem Kasten haben, keinen Oscar für eine faszinierende Geschichte verdienen, kann Torchlight 2 seinem Konkurrenten Diablo 3, zumindest was die Hauptgeschichte betrifft, auf keinen Fall das Wasser reichen. Beim Herausforderer sind es die kleinen Dinge, die glücklich machen. Ob es nun die stetig bessere Ausrüstung ist oder Kontrahenten, welche mehr Resistenzen als Deckard Cain Haare haben. Es gibt Momente in denen ich mir das Logo von Runic Games am liebsten hingebungsvoll auf den Oberarm tätowieren lassen würde. So stolperte ich auf meiner Reise durch Torchlight 2 beispielsweise über einen alten Steg, der mit einer alten Laterne gespickt war. Trotz meiner unbändigen Neugier, erwartete ich eigentlich die nächste Monsterwelle – als ich das Leuchtmittel jedoch aktiviere, erscheint aus dem Nebel ein Geisterboot mitsamt totem Fährmann, der mich daraufhin bittet in einer Parallelwelt abtrünnige Piraten in die Schranken zu weisen. Dass es sich um untote Gesellen handelt und ich währenddessen über das zweite Auge des daraufhin anzutreffenden einäugigen Bosses, mit dem treffenden Namen Ein-Augen-Willy stolpere, verschwieg er mir natürlich. Eine kleine Wohltat für von immer gleichen Schauplätzen geplagte Spieler. Dass die Hauptgeschichte mit ihrem drohenden Armageddon gänzlich belanglos nebenher rieselt, stört in solchen Momenten nicht weiter. Im Großen und Ganzen würden die Storys beider Spiele jedoch keinen Blumentopf gewinnen.

5. Das Preis/Umfang-Verhältnis
Was sind neunzehn Euro gegen fünfzig? Richtig – wenig. Und doch verbirgt sich hinter dem kleinen Preis ein Versprechen eines auf lange Sicht sehr befriedigenden Hack’n'Slay-Titels und natürlich der Beweis, dass ein großer Name in die Irre führen kann. Diablo 3 bringt eine Fortsetzung der allseits bekannten Geschichte eines der besten Langzeitmotivatoren mit sich und doch fühlen sich immer höhere Schwierigkeitsgrade nicht befriedigend an. Zufallsgenerierte Umgebungen, unzählige Zwischenbosse und eine Fülle an Gegenständen, die man eher einem Borderlands zutraut zeigen wunderbar, wie man seine Community glücklich machen kann. Etliche Male habe ich dem halben Hunderter nachgetrauert während der Battle.Net-Account vor sich hin modert. Torchlight 2 hingegen ist jeden Penny wert und ich sehe einer wunderbaren Zeit entgegen, in der die linke Maustaste malträtiert wird. Klick für Klick, von einem Erfolgserlebnis zum anderen.















Ach so, was mir am Artikel noch aufgefallen ist, ist folgendes:
Zitat
Handelt es sich bei "der Schwierigkeit" um die neue Erfindung von Duran Kabakyer (auch bekannt von Der Gerät)? Und... sollte es nicht irgendwie das "regelmäßige Ableben" sein? Unregelmäßig hört sich so an, als würde man kaum sterben.