
Mit der Frage ob Spiele nun Kunst sind oder nicht, möchte ich euch heute verschonen. Falls die Antwort jedoch mit “Ja” ausfallen würde, wäre das kleine Entwicklerstudio thatgamecompany der Vincent van Gogh der Videospielwelt. Das kleine Entwicklerstudio, welches bereits mit ihren beiden anderen experimentellen Spielen flOw und Flower für entspannte wie begeisterte Gesichter gleichermaßen gesorgt hat, möchte mit Journey an die Erfolge anknüpfen, viel wichtiger jedoch, sie möchten ihre Vision eines Spiels umsetzen.
Im Fokus der Spielentwicklung standen, wie für thatgamecompany typisch, die Gefühle des Spielers und nicht etwa seine Brieftasche. Laut Firmenmeinung leidet die Innovation unter dem Druck nach hohen Absatzzahlen und wenn jeder mal kurz nachdenkt, wird er etliche Beispiele aus der Spielewelt finden, bei dem das Gegenteil des Gedankens stattfindet. Eigentlich giert die Spielebranche momentan nach Profit, so sehr wie nie zuvor. Daher ist es auch mal schön ein Spiel behandeln zu können, das einfach nur für den Spieler geschaffen wurde. Ohne Limited-Editions, ohne Schlüsselanhänger, free2play-Modell, first-day-DLCs und Zusatzcontent.

Journey steht für Reise und tatsächlich ist das Reisen auch spielerisch Programm. Als ein mysteriöses Wesen in bräunlicher Kutte macht ihr euch auf, um den fernen Berg mit leuchtender Spitze am Horizont zu erreichen. Wer ihr seid, warum der Berg ruft und was für eine Welt das überhaupt ist, das erfahrt ihr nicht. Überhaupt bleibt Journey sehr subtil und spielt immerwährend mit euren Gefühlen und Fantasie. Die Wüstenwelt zelebriert das Spiel mit Licht und Schatten, zaubert atemberaubende Landschaften auf den Bildschirm, in einem Grafikstil der auf unverkennbare Art und Weise wie gemalt wirkt und viel Raum für Interpretationen verschiedenster Sorte lässt.

Euer Kuttenträger gleitet durch den Sand, rutscht perfekt animiert die Dünen herab und fliegt sogar durch die Luft. Solange die Aufladung seines Schals, mit einer unbekannten Kraft durch fliegende Stoffteilchen, es zulässt. Dabei sollte der Schal möglichst lang gehalten werden, da die zusätzliche Aufladung die Möglichkeit erlaubt höher gelegene Positionen zu erreichen.
Die Steuerung bleibt übrigens kinderleicht. Lediglich 2 Knöpfe werden im gesamten Spieldurchgang benötigt. Einer zum Springen und Fliegen, der andere um die umherwirbelnden Stoffstückchen zu rufen oder andere Spieler.
Andere Spieler? Richtig gelesen, Journey bietet einen Multiplayer-Modus. Passend zum sonstigen Spielerlebnis gibt es hier aber keine Lobby, keine Highscores, Freundeslisten oder Chatfeldern mit Ausrufen wie „LOL, wo roxxort die pwn-sau digga?“. Bestätigt man den Wunsch ein Multiplayer-Spiel zu starten, weist euch ein leuchtendes Licht auf den Beitritt eines zweiten Reisenden hin. Dieser gleich euch optisch und kann sich nur durch ein „Aufpingen“ äußern. Was ihr daraus macht und wie ihr damit kommuniziert, ist euch überlassen. Das ist alles.

Akustisch steht Journey der Optik in nichts nach. Der Soundtrack passt hervorragend zur Kulisse, vielmehr noch sogar, er passt sich je nach Spielsituation dynamisch an. Den Preis für den schönsten digitalen Sand bekommt Journey außerdem und stößt somit Uncharted 3 vom Thron. Uncharted 2 übrigens auch, für den schönsten Schnee… mehr wird nicht verraten, selbst erleben!

Was für ein Erlebnis, was für ein Spiel! Völlig egal ob Journey nun Kunst oder Unterhaltungsmedium darstellt, es macht Spaß und weckt Gefühle. Thatgamecompany haben also ganze Arbeit geleistet und ihr Ziel erreicht. Ich war bewegt.
Die etwa 13 Euro für 2-3 Spielstunden klingen übertrieben, gemessen am Spielspaß und dem wirklichen Gefühl eine Reise durch eine Fantasiewelt hinter sich gebracht zu haben, ist das Spiel jeden Cent wert. Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern wann mir ein Kinobesuch zuletzt ähnlich viel Spaß gemacht hätte. Die Kosten hierfür sollten ähnlich sein.
Wer sich nach dem Lesen des Tests und betrachten von Bildern oder Gameplay-Videos ernsthaft noch fragte worum es in diesem Spiel geht und was das Ziel ist, hier die Antwort: Der Weg ist das Ziel.
Olaf “OtaQ” Szymanski für topoftheGAMES.com
» Mindestens ein WOW-Moment
» Fantastische Atmosphäre
» Wundervolle Musik, die sich dynamisch dem Gameplay anpasst
» Passender Multiplayer
» Trophäen laden zur Erkundung ein
» Schöne Animationen
» Spielt mit euren Emotionen und Fantasie
» Nur etwa 2-3 Stunden Spielzeit
» Sixaxis Steuerung nicht deaktivierbar
















Hallo anonymer Leser,Diese Diskussion wird parallel auch im >>Forum<< geführt und automatisch mit dem Commentbereich synchronisiert. Wo du deinen Text schreibst ist dir überlassen. Viel Spaß beim Mitreden!
nur angemeldete Mitglieder dürfen kommentieren!
Aber meld dich doch einfach an und tritt unserer Community bei. Die Registrierung ist mit wenigen Klicks abgeschlossen und die Mitgliedschaft ist selbstverständlich kostenlos.